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Læcker!

Esskultur als interkulturelle Brücke im Wandel der Zeit

Das Thema Essen und Esskultur beschäftigt die Menschheit seit jeher. Gemeinsam essen, Traditionen zu Feiertagen pflegen und erleben. Essen ist alltäglich und nicht nur bloße Nahrungsaufnahme. Essen ist mehr. Es geht ums Soziale rund um den Essenstisch, um Kommunikation und Erfahrungsaustausch. Das alles wird schon von Kindesbeinen an abgespeichert. Dabei können Gerüche und Geschmackserlebnisse Erinnerungen wecken – an ein bestimmtes Gericht, ein Gefühl oder auch eine Stimmung. Gerade auch bei demenzerkrankten Menschen ein Mittel, um Brücken ins Vergessene zu schlagen. Die beiden Kulturvermittler Elisa Priester und Ulla Bay Kronenberger haben sich ein Projekt ausgedacht, das gleich mehrere Brücken schlägt. Schüler der deutschen Grundschule Kulturschule Glücksburg (3. und 4. Klasse) treffen auf demenzkranke Menschen in der Tagespflege im Rønshave Plejecenter in Bov.

Beide Organisationen haben Erfahrung mit der Betreuung von sozial schwachen Familien und bieten Familienhilfe an. An einer deutsch-dänischen Zusammenarbeit hatten sie bisher nicht teilgenommen.
Bei den Workshops haben sich die Familien mit grafischen Ausdrucksformen, Farbenlehre und Bildkom-position beschäftigt. Es gab drei lokale Workshops und zwei gemeinsame im Schloss von Sønderborg und in der Phänomenta in Flensburg. Die Bilder wur-den dann der Öffentlichkeit bei jeweils einer Vernissage vorgestellt.
Die teilnehmenden Familien hatten bei den Work-shops die Möglichkeit, sich auf die Kunst einzulas-sen und dabei auch Alltagsprobleme zu vergessen. Einige hatten vorher noch nie einen Pinsel in der Hand und haben dann festgestellt, wie erfüllend der kreative Prozess sein kann. Diese Ruhe, sich nur mit sich selbst beschäftigen zu können, kennen viele der Teilnehmer nicht. Sie leben mit einem Handicap, haben psychische Probleme oder ein Trauma. Ein syrischer Familienvater z.B. gab an, dass er endlich mal wieder den Krieg in Syrien vergessen konnte, während des Zeichnens positive Gedanken zulassen und mit der Kunst seine Gefühle ausdrücken konnte. Dabei hatte er sich vorher noch nie mit diesem Genre beschäftigt. Andere Familien meinten begeistert, dass die gemeinsame Aktivität sie als Familie stärken würde und sie auch versuchen wollten, diese Idee des Zusammenseins mit nach Hause zu nehmen.
Der dänische Künstler Rick Towle fasst zusammen, dass die Kunst eine soziale Funktion hat. Sie verbindet Menschen aller Altersgruppen und Nationalitäten. Es war nicht wichtig, welches Werk am Ende herauskommt. Die Freude am kreativen Prozess stand im Vordergrund. Die Teilnehmer seien während des Projektes gewachsen und hätten den Künstler in sich entdeckt, meint auch Johannes Caspersen. Nachdem eine Vertrauensbasis geschaffen wurde und es aufmunternde Worte gab, hatten sich speziell auch die Erwachsenen getraut, sich künstlerisch zu betätigen.

Projektpartner:
Frelsens Hær Sønderborg, Kultur, Event, Idræt og Fritid / Sønderborg Kommune, Kulturbüro der Stadt Flensburg, Schutzengel e.V. Flensburg

Weitere Partner:
Integrationscenter Sønderborg

Leiter der Workshops:
Rick Towle und Johannes Caspersen


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